Internationales Jazzfestival Leibnitz
Jazz & Wein
15. bis 18. Oktober 2015

Eigentlich war es ja ein aufgelegter Elfmeter, nur anzutreten haben wir uns bislang noch nicht so recht getraut. Für ein Festival in einer ausgewiesenen Weinstadt und mit dem dekantierten Untertitel Jazz & Wein scheint ein Open Air-Konzert in einem Weingarten wohl unumgänglich. Noch dazu, wo es ja am 18. Oktober nie regnet in dieser Gegend. Zwar eröffnen wir unser Festival jährlich in einem Weinkeller, noch dazu in einem der größten Europas, wo das Programm freilich auch dem einzigartigen Ambiente und der barocken Barriques-Akustik (Eigenexpertise) angepasst ist. Aber ein Weingarten auf einem sonnenverwöhnten Hügel mit Blick in die steirische Toscana ist da schon etwas ganz anderes.
Das Jazzfestival Leibnitz wird heuer also einen Tag länger dauern und auf vier Bühnen über die Runden gehen, wenn wir unsere Kinderkonzerte im Carl Rotky-Saal dazurechnen. An diesen wollen wir nämlich unbedingt festhalten, waren sie doch im Vorjahr so gut besucht, dass der Autor der Zeilen mit seinem hinen Kreuz stehen musste.

Nach unserer Wiederbelebung bzw. Neuorientierung des Festivals im Jahr 2013 gibt es heuer also die dritte Ausgabe des Jazzgipfels. In der langen Tradition der Leibnitzer Jazzfestivals (erstmals 1994) würden wir heuer ja sogar schon die zirka 20. Ausgabe feiern. Aber wir haben noch nichts zum Feiern. Wir wollen uns mit Blick auf die Tabellenführung im Mittelfeld etablieren und mit dem Abstieg nichts zu tun haben, wie das bei Fußballtrainern immer so deutlich heißt. Auf uns übertragen bedeutet das in etwa: Wir wollen auch international wahrgenommen werden.

Freilich kann jedes Festival immer auch ganz anders aussehen. Auch bei gleichen Absichten und gleichem Konzept. Repräsentativ, wofür auch immer, kann eines mit nur sieben, acht Programmpunkten sowieso nur ansatzweise sein.
Auch jedes Vorwort kann immer auch ganz anders aussehen. Aber das ist eine andere Geschichte.
Also hätten wir aus unserer elendslangen Liste an Wunschkandidaten, die selbstredend alle unsere harten Kriterien durchlaufen sind, diesmal locker acht bis zehn Konstellationen gleich gut gemeinter Festivals zusammenstellen können. Aber nur eines ist es geworden. Eines, auf das wir uns nach monatelanger Qual der Wahl nun doch sehr freuen können.

Das heißt aber nicht, dass die anderen Kombinationen in den nächsten Jahren nur mehr so aus der Schublade zu ziehen wären. Das wäre ja noch schöner. Im nächsten Jahr sieht die Sache nämlich schon wieder ganz anders aus und wird die erwähnte Wunschliste durch aktuelle Ereignisse und Entwicklungen einerseits und neu erworbene Erfahrungen andererseits fast auf den Kopf gestellt sein und wieder aufs Neue und penibel durchforstet werden müssen.

Sieben, acht Konzerte sind so ungefähr an der Grenze zur Lesbarkeit eines Festivalkonzeptes. Bei glücklichster Fügung im Verein mit einem aufmerksamen und geneigten Publikum geht es sich aber gerade aus. Denn kein noch so klares Konzept geht ohne die Bereitschaft des Publikums auf.

Bleiben Sie uns also bitte gewogen und ziehen Sie auch unsere Weinkarte (s.u.) in Betracht.

Otmar Klammer


PROGRAMM

Do, 15. Oktober 2015

 

 

 

19:00 Uhr
GIUFFRE ZONE
Gerald Preinfalk (clarinet), Christoph Cech (piano), Per Mathisen (bass)
Ort: Weinkeller Schloss Seggau

Chamber Jazz

Richtig begeistert waren wir damals. „Der Holzbläser Gerald Preinfalk hat den kammermusikalischen Cool Jazz von Jimmy Giuffre hellwach geküsst“, schoss es uns geradezu aus der Feder. Grund unserer Enthusiasmierung war eine CD, die unter dem Titel Giuffre Zone Ende 2006 für Aufsehen in der österreichischen Jazzszene sorgte. Nicht zuletzt deshalb, weil es sich dabei um ein ganz unspektakuläres Konzept eines fast in Vergessenheit geratenen Musikers handelte. Jimmy Giuffre, Klarinettenvirtuose und Arrangeur von der Natur Gnaden, spielte 1961 mit seinem legendären Trio mit Paul Bley und Steve Swallow zwar eine völlig frei improvisierte Musik. Diese war aber geradewegs der zurückgenommene leise Gegenentwurf zum ekstatischen Free Jazz dieser Tage und hat ein veritables Stück Jazzgeschichte geschrieben.
Davon inspiriert hatten sich Preinfalk, der Pianist Christoph Cech und der schwedische Bassist Per Mathisen die Giuffre Zone eingerichtet, ein Trio, das nach relativ kurzer Zeit – leise wie die Musik selbst – leider wieder eingeschlafen ist.
Nicht unbedrängt von uns und unserer Festivalidee hat Gerald Preinfalk die alte Liebschaft wieder gefunden und auch seine einstigen Weggefährten infiziert. „Es ist viel passiert seit damals, und wir sind reifer und erfahrener geworden“, schürt Preinfalk geradezu unsere Neugier, wie man denn den großen Wurf von damals noch überbieten und den Forschergeist Giuffres erneut neu entdecken will.

 

 


Niescier, Zanchini, Senni Bild: Arne Reimer

20:30 Uhr
ANGELIKA NIESCIER & NOW
Angelika Niescier (alto saxophone), Simone Zanchini (accordion), Stefano Senni (bass)
Ort: Weinkeller Schloss Seggau

Also das wollen wir jetzt bitte überhört haben. „Ich bin Coltrane-geschädigt“, soll Angelika Niescier der Überlieferung nach einmal behauptet haben. Davon ist auf ihrer CD NOW aber nichts zu bemerken, zumindest keine Schädigung. Es sei denn, sie meint die Experimentierfreude, mit der sie selbst so ein vermeintlich kontemplatives Trio wie dieses beflügeln kann.
Immerhin bewegt sich die in Polen geborene und in Deutschland aufgewachsene Saxophonistin mit ihren famosen italienischen Partnern in dieser Mischung aus raffinierten Kompositionen und wachem Improvisationsgeist näher an komplexer Urbanität als an folkloristisch gezeichneter Traditionsmusik. Dort jedenfalls, wo ein gerüttelt Maß an Gefühl und Intuition zwingende Innovation und Impulsivität evoziert. Expressive Hochspannung also.
Geschuldet ist dieses außergewöhnliche Trio einem Kompositionsauftrag, den das Südtiroler Jazzfestival Alto Adige vor drei Jahren an Angelika Niescier erteilte und der die virtuose Saxophonistin, die 2010 mit dem deutschen Musikpreis ECHO ausgezeichnet wurde, erstmals mit Stefano Senni und Simone Zancchini zusammenbrachte, zwei fantasievollen schrägen Vögeln aus der italienischen A-Liga.

 

 

Fr, 16. Oktober 2015

 

 

 

11:00 und 15:30 Uhr
JAZZ for KIDS
Zehn Kleine Elefanten (nach Gedichten von Heinz Janisch)
mit der STEFAN HECKEL GROUP (A)
Nika Zach (voice), Maria Gstättner (bassoon), Phil Yaeger (trombone), Bernhard Richter (percussion), Stefan Heckel (piano, accordion)
Ort: Kulturzentrum Leibnitz, Carl Rotky-Saal

Beflügelt vom Erfolg unserer im Vorjahr erstmals durchgeführten Kinderkonzerte, haben wir auch heuer wieder nach Spezialisten aus der Fachabteilung Jazz for Kids gesucht. Unterm Mikroskop untersucht, haben wir dann das Projekt des namhaften Jazzpianisten Stefan Heckel als absolut kinderfrei bestimmen können.

Es ist nicht weit hergeholt, wenn uns Ältere der Titel 10 kleine Elefanten an einen alten Zählreim erinnert, der heute den Konventionen von politischer Korrektheit entgegensteht. Deshalb - auch das konnten wir unter dem Mikroskop entdecken - mag uns der Künstler in seiner Freiheit wohl auch die Empfehlung angedeihen lassen, dass diese „Kinderlieder auch für Onkel und Tanten“ zu empfehlen sind.

Die Gedichte, die Heckel als Vorlage für seine einmal rhytmisch aufgeweckte, einmal phlegmatisch schlapfende und dann wieder lyrisch versunkene Musik dienten, stammen von keinem Geringeren als dem preisgekrönten österreichischen Kinderbuchautor Heinz Janisch.

Dazu lässt uns der Dichter wissen lässt:

Gedichte haben eine eigene Kraft. Sie bringen die Gedanken und Gefühle in Bewegung.Wenige Zeilen genügen, und eine Tür geht auf. Manchmal wird man von den Zeilen vorsichtig angetippt, wie mit den Fingerspitzen. Dann wieder gibt es eine kraftvolle Umarmung, ein lautes „Schöndassdudabist!“

Gedichte brauchen ihren Raum. Sie mögen die Stille. Manchmal beginnen sie aber auch vergnügt im Kopf herumzutanzen.
Wenn Gedichte vertont werden, wenn sie plötzlich eine Stimme bekommen, einen schwebenden Rhythmus, einen Klang, dann werden sie zu Liedern, die im Ohr bleiben und die man den ganzen Tag vor sich hin singen möchte.
So tanzt man dann singend und summend durch den Tag...

 

 

 
Bild: Georg Breinschmid
by Rainer Rygalyk

18:30 Uhr
RAINER RYGALYK
Eröffnung der Fotoausstellung
Ort: Foyer im Kulturzentrum Leibnitz

Rainer Rygalyk, unser diesjähriger Jazzfotograf, gehört zweifellos zum lebenden Urgestein der österreichischen Jazzszene, einerseits als Gründer und langjähriger Herausgeber des einschlägigen Magazins Jazzlive, das vor zehn Jahren leider jäh entschlafen ist, andererseits als leicht identifizierbarer Beobachter von Konzerten am Bühnenrand, dessen weithin bekannte Bilder in unzähligen nationalen und internationalen Ausstellungen zum Thema gezeigt wurden und sich auf vielen Plattencovers und Booklets prominenter Musiker wiederfinden. Dazu kommen legendäre Veranstaltungen wie etwa die 24-Stunden Non Stop-Konzerte im Wiener Audimax in den Achtzigern, die der Mann mit der Mütze organisiert hat. Daneben war Rygalyk, der einst Publizistik und Musikwissenschaft studierte und Saxophon lernte, immer wieder in diversen Jazzjurys zugange und hat auch in anderen Printmedien seine Spuren hinterlassen.
Der gebürtige Wiener Neustädter lebt und arbeitet heute im niederösterreichischen Berndorf bei Hernstein.

 

 

19:30 Uhr
NOSTALGIA TRIO
Nils Wogram (trombone), Arno Krijger (hammond B3-organ), Dejan Terzic (drums)
Ort: Kulturzentrum Leibnitz, Hugo Wolf-Saal

Eine echte Live-Band. Und Nils Wogram ist ein echter Fan von wirklichen Bands, von Bands mit einem einzigartigen Ensemblesound. Viele seiner Bands bestehen daher auch schon seit langer Zeit, wie etwa das Quartett Root 70.
Wograms Leidenschaft für den schmatzenden Hammond-Sound wurde einst in zahlreichen Sessions in Harlem/NYC geweckt.
Mit dem Trio Nostalgia versucht der tollkühne virtuose Posaunist nun die begeisternde und nostalgische Atmosphäre mit seinen originellen Kompositionen und neuem formalen Material in einen Zusammenhang mit eigenständigen Sounds zu übertragen.
Am Weg zurück zum swingenden und groovenden Jazzgefühl der 50er und 60er Jahre, als der Jazz noch bei Blue Note oder in der 52sten Straße zu Hause war, gelingt Nils Wogram mit Nostalgia eine schlüssige Gratwanderung zwischen Retro-Sound und dem neugierigen Austesten der eigenen Klangvorstellungen. Vor allem auch deshalb, weil das Trio mit dem niederländischen Organisten Arno Krijger und dem serbischen Schlagzeuger Dejan Terzic durchwegs gleichberechtigt besetzt ist.

Ursprünglich als Bebop-Orgeltrio aus der Taufe gehoben, haben Wogram und die Seinen in den letzten zehn Jahren ein Repertoire erarbeitet, das auch mit lyrisch kunstvoll geschliffenen Titeln mit dem Schwerpunkt auf Balladenstimmung zu enthusiasmieren vermag, wie uns ihre neue CD Nature (nwog sounds) beweist.
Überwältigt von seinem umjubelten Auftritt beim Jazzfestival Belgrad im vergangenen Jahr, haben wir das Trio praktisch gleich vom Fleck weg engagiert.

 

 


Carmen Lundy, Bild: Daniel Sheehan

21:30 Uhr
CARMEN LUNDY
Carmen Lundy (vocals), Victor Gould (piano), Daryl Hall (bass), Jamison Ross (drums)
Ort: Kulturzentrum Leibnitz, Hugo Wolf-Saal

Waren Sie an einem 25. Jänner schon einmal in Miami? Zwar ist uns unbekannt, ob an diesem Tag ein Fähnchen von Carmen Lundy auf der City Hall weht oder signierte Gratis-Kugelschreiber verteilt werden. Aber es ist The Carmen Lundy Day! Weiland ausgerufen von oberster Stelle, um der großen Tochter der Stadt ein Denkmal zu setzen. So weit muss man es als Jazzsängerin erst einmal bringen!
Unsere Carmen, einst von Miami ausgezogen, um in New York ihre Karriere zu starten (wo sie 1978 auch tatsächlich vom renommierten Thad Jones/Mel Lewis Orchestra engagiert wurde) und sich alsdann in Los Angeles niederzulassen, hat aber tatsächlich etwas für eine Jazzsängerin scheinbar Unmögliches geschafft. Sie hat sich diese bald 40-jährige erfolgreiche Karriere fast ausschließlich mit eigenen Songs aufgebaut. Dabei war sie als Komponistin so fleißig, dass ihre ungezählten Songs mittlerweile als The Carmen Lundy Songbook (2007) erschienen sind. Eine Rarität der Jazzgeschichte.
Viele davon sind natürlich auf ihren eigenen vierzehn Platten zu finden, andere wiederum haben prominente Musiker wie Kenny Baron, Ernie Watts oder die Rockband Straight Ahead bekannt gemacht. Ohne musikalische Kompromisse einzugehen schaffte es Lundy, sich damit immer wieder wochenlang unter den Top Ten der wichtigsten Jazz-Charts zu sonnen.
Die Sängerin mit der charismatischen Melange aus Leidenschaft und Sophistication hat auch bei vielen Platten von Ray Barretto, Kenny Barron, Mulgrew Miller, Roy Hargrove, Jimmy Cobb, Ron Carter, Regina Carter, Steve Turre, Geri Allen, dem späten Kenny Kirkland und natürlich Bruder Curtis Lundy mitgewirkt. Und mit Terri Lyne Carrington reichte das sogar für einen Grammy!
Die Kommunion findet zwischen Soul, Samba und Cool Jazz statt.

 

 

Sa, 17. Oktober 2015

 

 

 

19:30 Uhr
DENA DeROSE US-TRIO featuring GARY SMULYAN
First time in Europe!
Dena DeRose (vocals, piano), Martin Wind (bass), Matt Wilson (drums); Gary Smulyan (baritone sax)
Ort: Kulturzentrum Leibnitz, Hugo Wolf-Saal

Jetzt sind es auch schon wieder neun Jahre, dass uns eine neue Professorin für Jazzgesang an die Kunstuniversität Graz (KUG) gekommen ist. Zum Glück eine, die mit beiden Beinen fest in der internationalen Jazzszene steht und als solche nun auch die heimische Szene belebt.
Sie fiel wie ein blonder Engel auf Graz. Dena DeRose steht heute in einer Reihe mit den großen Sängerpianistinnen, wie es etwa ihr Idol Shirley Horn war.
Diesem widmete sie auch ihre jüngste CD mit dem bezeichnenden Titel „We Won´t Forget You...“ (HighNote Records), zu deren Aufnahmen Stargäste wie Gary Smulyan, Eric Alexander und Jeremy Pelt im Studio aufsalutierten.
Mit elf CDs hat Dena eine beeindruckende Discographie, die noch von drei glänzenden Live-Alben überstrahlt wird.
Im Trio-Format läuft Dena DeRose überhaupt zu ihrem größten künstlerischen Ausdruck auf. An ihrem gewissen Understatement, ihrer rhythmischen Feinheit und dem tiefen Sinn für Swing sollt ihr sie erkennen.
Dazu wissen wir es zu schätzen, dass Dena keine Allüren kennt und abseits des straighten Jazz auch schon einmal echte Experimentierfreude zeigt, wenn sie etwa im Styrian Improvisers Orchestra die Melodica auspackt.
Zugegeben, ein bisschen stolz sind wir nun schon, dass es uns gelungen ist, ihr originales US-Trio erstmals über den Ozean zu bringen. Und das just zum 10-jährigen Jubiläum desselben und zum 10. Todestag von Mrs. Horn.
Damit noch nicht genug, wird uns Dena DeRose doch auch den weltweit führenden Baritonsaxophonisten Gary Smulyan mitbringen, jenen Smulyan, den wir schon von Woody Herman, der Mel Lewis und Mingus Big Band sowie von Dizzy Gillespie her kennen.

 

 


Dave Douglas Quintet, Bild: Eve Trojano

21:30 Uhr
DAVE DOUGLAS QUINTET
Dave Douglas (trumpet), Jon Irabagon (tenor saxophone), Matt Mitchell (piano), Linda Oh (bass), Rudy Royston (drums)
Ort: Kulturzentrum Leibnitz, Hugo Wolf-Saal

Kaum hat Dave Douglas mit dem Saxophon-Koloss Joe Lovano eine vielleicht historische Live-Aufnahme namens Sound Prints hingelegt, steht schon wieder sein luxuriös besetztes Quintett zur Disposition.

Um seinen 50. Geburtstag zu feiern, was sich vor etwa zweieinhalb Jahren begab, ging Dave Douglas her, formte eine neue Band und spielte in allen 50 Staaten der USA, vornehmlich dort, wo die braven Leute nicht gerade alle Tage ein ordentliches Jazzkonzert zu hören bekommen. Das ist doch eine nette Idee. Vorgestellt hat der einflussreichste Trompeter seiner Generation auf dieser Tour die gerade eingespielte CD mit dem bezeichnenden Titel Time Travel, die freilich auf seinem eigenen, längst renommierten Plattenlabel Greenleaf erschienen ist.
Darauf stellt Douglas einige der aktuell hellsten Sterne der Jazzszene ins Rampenlicht. Die Musik reflektiert den unbändigen Geist des Jazzpioniers, dessen furchtloser Enthusiasmus sich mit der Wahl dieser Musiker manifestiert. Unter anderem wagt er damit den alten Versuch, der üblichen Thema-Solo-Thema-Struktur mit innovativem Kollektivgeist entgegenzuwirken. Mit tiefsinnigen modalen Uptempo-Nummern mit jener Art von elliptischen, schwer fassbaren melodischen Windungen, die man am ehesten vom klassischen Wayne Shorter-Material kennt, wird in so mancher Schublade gekramt, das Vorgefundene lustvoll durcheinandergewirbelt, ohne dabei gleich das ganze Zimmer zu verwüsten. Ein schöner Spaß!
Da muss er nur aufpassen, dass ihm Jon Irabagon, der als Solist immer stärker wird, nicht die Show stiehlt.

 

 

So, 18. Oktober 2015

 

 

 


Schriefl, Lukasheva, Bild: Gerhard Richter

11:00 Uhr
MATTHIAS SCHRIEFL TRIO & MARA LUKASHEVA
Tamara Lukasheva (vocals, keyboards), Matthias Schriefl (trumpet, brass), Alex Morsey (tuba, bass), Sebastian Merk (drums, guitar)
Ort:
Weingut & Weingartenhotel Harkamp

Vielen dieser Stücke hört man es an, dass sie Matthias Schriefl in über 2000 Metern Seehöhe geschrieben hat, so luftig und beschwingt sind sie. Und an den Stellen, wo die Tinte ausgegangen ist, wird eben heiter improvisiert.
Zum Teil von uralten Allgäuer Volksliedern inspiriert, stecken sie voller skurriler Ideen, bleiben aber trotz des breiten theoretischen Hintergrunds in jedem Ton und jeder Geste ganz unprätentiös und leidenschaftlich.
Nun sind wir zwar gegen den unsäglichen Begriff Alpenjazz nicht geimpft, aber wenn der virtuose Herr Kapellmeister persönlich dahinter steht, geben wir Grünes Licht für die Liaison zwischen Tradition und Postmoderne, Allgäu und New Orleans, Popmusik und Almandacht, klassischer Diktion und Tom Waits-Jodlern. Je nun, diese Musik steckt dennoch voller Tiefe und kreativer Intelligenz.
Mit der vielseitigen Sängerin Tamara Lukasheva aus Odessa bildet der Multiinstrumentalist Schriefl seit einigen Jahren das ungewöhnliche Duo Matria, das mit Arrangements von Volksliedern aus der Heimat der beiden, also zirka ukrainischem Alpenjazz, und Musik von Westafrka bis Indien eine echte Ausnahmeerscheinung in der deutschen Musikszene ist. Dort sorgt Schriefl - immer leicht an seinem eigenwilligen Outfit zu identifizieren (ob das was mit seinem Wohnsitz Köln zu tun hat?) - mit Shreefpunk, seiner erfolgreichsten Band, ohnehin schon für Furore. Und so nebenbei ist der gefragte Solist, der als Blechblasbeauftragter nahezu die gesamte Instrumentenfamilie beherrscht, unter anderem auch Leadtrompeter des European Movement Orchestra.


KARTEN:

Festivalpass all incl.:
Euro 60,00 / 48,00
Wochenendpass Freitag, Samstag, Sonntag: Euro 45,00 / 36,00

Do, 15.10.2015
Tageskarte für 2 Konzerte:
Euro 23,00 / 17,00

Fr, 16.10.2015
Tageskarte für 2 Konzerte:
Euro 28,00 / 22,00

Sa 17.10.2015
Tageskarte für 2 Konzerte:
Euro 28,-00 / 22,00

So, 18.10.2015
Jazzbrunch Weingut Harkamp:
Euro 15,00 / 10,00

Fr, 16.10.2015
Kinderkonzert:
Euro 5,00 Einheitspreis für alle

Ermäßigungen für: Ö1, Arbeiterkammer, Studierende, Jugendliche

Tickets erhältlich bei: LeibnitzKULT | Kaspar-Harb-Gasse 4 | 8430 Leibnitz | HOTLINE: +43.664.213 13 86 | Tel: +43.3452.76 506 | office@remove-this.leibnitz-kult.at und bei allen Ö-Ticket Verkaufsstellen und auf www.oeticket.com


künstlerische Leitung: Otmar Klammer | Organisation & Abwicklung: Isabella Holzmann | Artwork: Yusuf Malat | Veranstalter: LeibnitzKULT.


Unsere Weinkarte

Zugegeben, Jazz mit Wein zu verbinden, ist nicht gerade neu. Das mag mit der Vielschichtigkeit und Textur eines edlen Weines zu tun haben, aber auch mit der sinnlichen Seite jedes guten Tropfens. Vielleicht sogar damit, dass viele Weinkenner über seltene alte Weine diskutieren und bewerten und analysieren wie der gelernte Jazzfan darüber, wer mit wem wann und warum auf dieser oder jener Platte nicht so gut gespielt hat.
Am Anfang der Jazzgeschichte hat man zu einem teuren Jazzkonzert ja eher noch einen billigen Whiskey genommen. Aber mit der Emanzipation des europäischen Jazz ab Ende der 1960-er Jahre, also der Befreiung von der Vorherrschaft des US-amerikanischen Jazz, kam man so nach und nach auf unserer Seite des Atlantiks auf die nette Idee bzw. den Geschmack.
Heute kennen wir viele Namen von Festivals und Konzertreihen, wo recht gerne einer aufgemacht wird:
Jazz und Wein, Jazz and Wine, Jazz in Wien, Jazz & Wine of Peace (Cormóns), Wein & Jazz (Berlin), Jazz & Wine Summer (Retz), Jazz et du Vin (Saint-Emilion, F), Jazz et Vin (Newark, GB!), Vino e Jazz (Basel), Vino rosso & grande Jazz (Milano) oder gar Jazz Vinos y Blues (etwas weiter weg).
Indes George Wein kein Festival, sondern der berühmteste Jazz-Impressario (geb. 1925) und Produzent ist.
Aber wir kennen nur ein internationales Jazzfestival, wo die Sauvignons zur Weltklasse zählen und man den Gelben Muskateller als flüssiges Gold kennt. Richtig, wir sprechen vom Internationalen Jazzfestival Leibnitz, wo man so gesegnet an der Quelle sitzt.
Daher haben wir uns erlaubt, Ihnen die nachstehende Weinkarte als Begleitung zu unseren einzelnen Konzerten zusammenzustellen:

15. Oktober, 19:00:
Giuffre Zone

Muskateller: Startet mit traubiger Nase, am Gaumen dann ein furioses Arrangement von Kräutern wie Minze, Melisse, Dill, glänzt durchgehend mit stützender Säure und verspielter Fruchtsüße.

15. Oktober, 20:30:
Angelika Niescier & Now

Sauvignon Blanc: Faszinierende Grandezza und charakterstarke Persönlichkeit, dichtes Bukett, reife Zitrusfrüchte, Stachelbeeren, am Gaumen coole Stilistik, getragen von würziger, mineralischer Eleganz.

16. Oktober, 11:00 und 15:30:
Jazz for Kids

Traubensaft: Duftig, frisch, leicht und trinkfreudig mit fruchtsüßer Textur.

16. Oktober, 19:30:
Nostalgia Trio

Riesling: Steinobst pur, ganz große Klasse, am Gaumen dicht, vollreif, komplex, wuchtig, Pfirsich, Marille, ungemein saftig, toller Druck, zupackendes Finale.

16. Oktober, 21:30:
Carmen Lundy

Blauer Zweigelt: Exzellente, vollfruchtige Nase, am Gaumen füllig und extraktreich, Cassis, Heidelbeeren, Gewürze wie Zimt, etwas Vanille, Balance von Druck, Extrakten, Volumen und Tanninen, feuriges Finish.

17. Oktober, 19:30:
Dena DeRose US-Trio & Gary Smulyan

Morillon: Straightes Repertoire an Aromen, reif, tief, honigartig, Ananas, mit präsenter stützender Säure, balancierte, finessreiche Extraktsüße, faszinierendes Spiel von Frucht und Terroir, langes Finish.

17. Oktober, 21:30:
Dave Douglas Quintet

Winzersekt: Fährt mit tiefer, reifer, verführerischer Frucht und feinsten Perlen aus dem Glas in die Nase, streut am Gaumen viele Komplimente, mit cremig-dichtem Schmelz, ein Upperclass-Label.

18. Oktober, 11:00:
Matthias Schriefl Trio & Mara Lukasheva

Grauburgunder: Sehr feine Klinge in der Nase, Äpfel und Birnen, am Gaumen füllig und geschmeidig mit mineralisch-rauchigen Nuancen, ein gut antrinkbarer Kraftprotz mit großem Potenzial.

Für die Auswahl der Weine bedanken wir uns diesmal bei Henry Sams.

 

 

KULTUR AKTUELL