Tatiana Lecomte | nach einer wahren Begebenheit

Ausstellungsdauer bis 22. April 2017

Tatiana Lecomte, geb. 1971 in Bordeaux, beschäftigt sich seit Jahren mit Fragen des bildlichen Gedächtnisses. Wie lässt sich traumatische Geschichte in Bildern verarbeiten? Lecomte untersucht, wie sich Abbildungen zur Vermittlung von Erinnerung eignen. Was Bilder zeigen und was sie nicht zeigen (können), ist Thema ihrer Arbeit: Das „Undarstellbare“, das jeder fotografischen Repräsentation innewohnt. Sie bedient sich dabei hauptsächlich gefundener Bilder oder vorliegender Reproduktionen, die sie analog vergrößert und bearbeitet. Ihre Fotografien verweisen immer wieder auf (traumatische) historische Ereignisse, deren Bedeutung sich nicht auf abbildbare Wirklichkeitselemente reduzieren lässt. Daher muss ihre Arbeit weniger ästhetisch als politisch gelesen werden: Als Befragung fotografischer Repräsentation, als Zweifel an der Angemessenheit von Sichtbarmachung, d. h. als Bildpolitik, die die Festschreibungen von Bedeutungen unterhöhlt. Kaum etwas ist in den Arbeiten von Lecomte als Spur von Wirklichkeit zu sehen, alles hat aber mit Spuren dieser Wirklichkeit zu tun – als Ergebnis einer fotografischen Praxis selbst. (Reinhard Braun)

www.tatianalecomte.com

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